Der Schlafsack ist einer der wichtigsten Bestandteile Ihrer Ausrüstung.
Unterwegs ist er für lange Zeit der einzige warme Ort, an dem man sich von psychischer und physischer Belastung erholen
kann. Einen Schlafsack für alle Anwendungsbereiche gibt es nicht! Daher sollten genaue Vorstellungen über den Einsatzbereich existieren, um die Auswahl einzugrenzen.

Schlafsacknorm EN 13537
Diese seit 2005 geltende EU-Norm legt allgemeine Anforderungen zur Kennzeichnung und Beschreibung von Schlafsäcken fest. Dies betrifft vor allem die Angaben zu Temperaturen sowie Pack- und Innenmaße eines Schlafsacks. Es ist nun möglich, die Angaben der unterschiedlichen Modelle und Hersteller miteinander vergleichen zu können, da alle Angaben nach den gleichen Normvorgaben bei Prüfinstituten ermittelt werden müssen. Bei den Temperaturangaben gibt es drei unterschiedliche Angaben:

Komforttemperatur T comf
Dieser Wert wird für eine “Standard-Frau”(25 Jahre, 60 kg, 1,60 m) errechnet, die gerade noch nicht friert.
Grenztemperatur T lim
Dieser Wert wird für einen “Standard-Mann”(25 Jahre, 70 kg, 1,73 m) berechnet, der gerade noch nicht friert.
Extremtemperatur T ext
Dieser Wert wird für eine “Standard-Frau”(25 Jahre, 60 kg, 1,60 m) unter starker Kältebelastung berechnet. Hier besteht erhöhtes Risiko der Unterkühlung.

Als Orientierungswert beim Schlafsackkauf sollte der erste Wert (Komfortwert T comf) dienen. Einen 4. Maximalwert geben wir nicht an, da er den Temperaturbereich angibt, an dem ein Mensch anfangen würde im Schlafsack zu schwitzen. Unter normalen Bedingungen würde man den Schlafsack dann ohnehin öffnen und als Decke nutzen. Die Norm-Temperaturwerte werden in Forschungslaboren mit einer Gliederpuppe ermittelt, die nur mit einem Trainingsanzug und Strümpfen bekleidet im Schlafsack liegt. Gemessen werden die Wärmeverluste in der jeweiligen Umgebungstemperatur. Alle Angaben unserer Schlafsäcke entsprechen der Norm, mit Ausnahme der Kinderschlafsäcke: Hier wurde bis heute keine einheitliche Lösung gefunden. Daher werden dort weiter unsere eigenen Werte angegeben, die eine Mischung aus Herstellerangabe und unserer eigenen Einschätzung eines Produktes darstellen.

Schlafsackgröße
Damit der Schlafsack der Temperaturangabe gerecht wird, muss die richtige Größe gewählt werden: Ist der Schlafsack zu lang oder der Schläfer zu kurz, entsteht Freiraum, den der Körper aufwändig erwärmen muss. Die Folge sind z.B. kalte Füße.

Kapuze
Der menschliche Körper verliert über den Kopf ca. 30% seiner Körperwärme. Optimal für kühlere Einsätze sind Konturkapuzen. Diese sind befüllt und lassen sich mit einem Kordelzug zusammenziehen. So unterbinden sie den Wärmeverlust. Angeschnittene Kapuzen sind einfacher geschnitten und finden sich bei Schlafsäcken, die in wärmeren Temperaturbereichen eingesetzt werden. Kopfteile, zumeist an Deckenschlafsäcken, dienen ausschließlich der Bequemlichkeit im Kopfbereich. Eine aufgesetzte Mütze schützt zudem grundsätzlich vor Wärmeverlust.

Wärmekragen
In Schlafsäcken, die bei tieferen Temperaturen eingesetzt werden, verhindert ein befüllter Wärmekragen das Entweichen der aufgewärmten Luft nach außen. Er ist von innen im Schulter-/ Halsbereich angebracht und lässt sich in der Regel mit einem Kordelzug zusammenziehen. Bei Schlafsäcken der mittleren und oberen Temperaturbereiche ist er eigentlich überflüssig, ein gut geschnittener Schulterbereich erfüllt dann die gleiche Funktion.

Reißverschluss (RV)
Abdeckleisten sind von innen über dem RV angebracht und verhindern einen Wärmeverlust an dieser sensiblen Stelle. Schutzleisten sind beidseitig von innen neben dem RV angebracht. Sie sollen das Verklemmen des RVs mit dem Innenfutter verhindern.

Innenfutter
Baumwolle ist sehr komfortabel, verschmutzt und verschleißt jedoch schneller, zudem trocknet sie schlechter. Nylon/ Polyester ist leichter, langlebiger und ist zudem durch den geringeren Reibungswiderstand im Schlafsack bewegungsfreundlicher.

Differentialschnitt
Gute Schlafsäcke sollten grundätzlich so geschnitten sein, dass die innere Hülle etwas kleinerals die äußere ist, damit ein Zusammendrücken der Füllung durch die Hülle verhindert wird.

Koppeln
Unter bestimmten Voraussetzungen ist es möglich, zwei Schlafsäcke per Reißverschluss zu koppeln. Voraussetzung: Die RVs müssen exakt passen! Grundsätzlich sind zwei Schlafsäcke des gleichen Modells miteinander kompatibel. Die Unterscheidung der Schlafsack-Modelle in RV-links und RV-rechts bezieht sich auf die Seite des Schlafsacks, an welcher der RV angebracht
ist. Zum Koppeln werden jeweils ein RV-rechts und ein RV-links benötigt. Zudem ist für einen exakten Abschluss die gleiche RV-Länge wichtig. Den linken an den rechten RV gezippt, entsteht so ein gemütlicher Schlafsack für zwei!

Isoliermatten
Da die Füllung des Schlafsacks durch das Körpergewicht zusammengedrückt wird, geht ein großer Teil des Isoliervermögens verloren; der Schläfer liegt ungeschützt auf dem kalten Boden. Eine Isoliermatte ist daher unerlässlich.

Kunstfaser oder Daune?

Schlafsäcke können entweder mit Daunen oder Kunstfasern befüllt sein. Daunenschlafsäcke sind zu empfehlen, wenn minimales Packmaß und geringes Gewicht gefragt sind. Zudem bieten sie ein exzellentes Schlafklima, sind jedoch feuchtigkeitsempfindlicher.
Die Vorteile von Kunstfasern liegen in der geringen Feuchtigkeitsaufnahme der Fasern, wodurch ihr Einsatz auch in feuchten Regionen unproblematisch ist.

Kunstfaser-Schlafsäcke
Der Vorteil von Kunstfaserfüllungen besteht darin, dass sie kaum Feuchtigkeit aufnehmen. Sollte dies doch passieren, verlieren sie auch in nassem Zustand kaum an Loft und trocknen rasch. Zudem sind sie unkompliziert in der Pflege. Sie sind empfehlenswert
für Gebiete mit permanent hoher Luftfeuchtigkeit, bei der Benutzung von wasserdichten Biwaksäcken (Kondenswasser) sowie Wintertouren. Ein weiterer Vorteil gegenüber den Daunenschlafsäcken ist der geringere Preis. Kunstfaserfüllungen werden aus Polyesterfasern verschiedenster Art hergestellt.

Wichtig für die Bauschfähigkeit ist die Oberflächenbehandlung der Fasern. Unter dem Mikroskop hat die Polyesterfaser eine raue Oberfläche. Die einzelnen “Fäden” können sich so stark ineinander verhaken, dass sie sich nicht mehr aufbauschen. Deshalb werden die Fasern mit einer glatten Silikonschicht ummantelt. Je aufwändiger dieses Verfahren und der Aushärtungsgrad des Silikons ist, desto länger bleibt die Bauschfähigkeit der Faser erhalten.

Verarbeitung der Füllung
Die Konstruktionsweise der Füllung ist auf den Einsatzbereich ausgelegt. Je nach erwünschter Wärmeleistung werden die Kunstfasern auf Vliesen fixiert und dann 1- oder mehrlagig verwendet. Dann werden sie direkt am Außen- und Innenmaterial
vernäht. Bei der Verarbeitung mit loser Außenhülle wird gänzlich auf eine Verbindung mit dem Außenmaterial durch Nähte verzichtet, um ein Entweichen der Wärme durch die Nahtlöcher zu verhindern. Bei der Schindeltechnik wird im Prinzip wie bei Dachschindeln gearbeitet: Ein Schindel-Ende wird mit der Innen-, eins mit der Außenhülle vernäht.

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